Herbstbiwak - Oktober 2020

 Zeitraum: 28 - 31.10.2020                                       Art: Biwak
 Gruppe: Alpenträumer

 

Verehrte Leserinnen und Leser,

es freut mich Ihnen ein weiteres literarisches Kunstwerk der Alpenträumer ankündigen zu dürfen. Beim flüchtigen Lesen wird es fragmentarisch, skizzenhaft, vorläufig, ja gar skurril erscheinen, doch die genaue Leserin wird einen abgeschlossenen, formvollendeten, prägnanten Text vorfinden. Der trügerische Eindruck des Kunstlosen, eilig Dahingeworfenen entsteht einzig und allein durch den absoluten Mangel an Prätention. In Wahrheit ist dieser Bericht treffsicher im Detail, zielsicher in der Erzählstrategie, bar jeden auktorialen Dünkels und jeder Originalitätssucht; und eben dadurch durch und durch originell.1

Nun möchte ich Sie nicht weiter aufhalten und wünsche Ihnen Freude beim Lesen,

Olivia

 

Dramatische Musik

Eine Jugendgruppe ist wieder auf einer Ausfahrt! Eine Ansammlung junger Alpenträumer fand sich um 8 Uhr morgens am Seelturm um die Vorräte, die sie über den Sommer gehortet hatten, aufzuteilen. Nachdem sie die Vorräte aufgeteilt hatten liefen sie zum ersten Zielort, dem Bahnhof. Nach einer halben Stunde mit dem Zug ging es erstmal steil hinauf. Das erste Gipfelkreuz markierten sie mit einem DAV-Sticker, bevor sie die Aussicht genossen. Den restlichen Tag liefen sie bis zu einem Aussichtspunkt, wo sie ihr Lager aufbauten und kochten. Nach ein paar Runden, in denen die gefräßigen Dorfbewohner Düsterwalds gefasst wurden, schliefen die Alpenträumer ein. Doch Emma lag im Tropf.

Da es am nächsten Morgen immer noch regnete, frühstückten sie in ihren Schlafsäcken. Unterwegs dachten sie sich Geschichten aus.

Auf einer Wiese sahen sie einen Hubschrauber, an dem Lily hing, nachdem sie und Benni abgestürzt waren und Benni sie todesmutig auf den Hubschrauber geschubst hat während er selber in den Abgrund gestürzt ist. Der Hubschrauber verfolgte Moritz, der aus der U-Haft geflohen war, nachdem er eines der beiden Kinder von Caro und Alex überfahren hatte.

Nachdem sie ihren Wasservorrat gefüllt hatten, gingen sie zu einem Schlafplatz, einer hölzernen Bushaltestelle im Wald. Nach dem gemütlichen Abendessen liefen sie noch ein Stück zu einem weiteren Aussichtspunkt, von dem man alles und sogar den Stuttgarter Fernsehturm sah. In der Dunkelheit machten sie noch ein paar Leuchtschrift-Bilder.

Am Morgen wachten sie trocken auf, da sie nicht nass geworden waren. Dies fand eine clevere Teilnehmerin heraus. Da es so trocken und gemütlich war, konnten sie sich lange nicht aufraffen aufzustehen und loszugehen. Nach aufgerundet 100 Runden Werwolf (es waren 4 ≈ 10 ≈ 50 ≈ 100) ging es endlich weiter. Als sie an ein paar Ziegen vorbei kamen erinnerten sie sich an den Vorfall, bei dem Annikas Sohn Paul von Reginas Ziege Hanny im Zirkus aufgespießt wurde. Lukas der Messerwerfer (Annikas Freund, aber nicht Pauls Vater) wurde verdächtigt den Mord begangen zu haben.

An dem heutigen Übernachtungsplatz, der Burgruine Reußenstein angekommen, ging ein Teil der Gruppe 3,5 km ins Tal zum Brot holen, während die andere Gruppe anfing diesen Bericht zu schreiben.

Als sie am nächsten Morgen gestartet waren, war Moritz der Hofnarr tot, da Kaiser Seppl es nicht ertragen konnte, dass seine Gemahlin Regina durch Moritz Witze Bauchschmerzen bekam.

 

Sicherlich sind Sie beeindruckt von den phantastischen, ergreifenden, tollkühnen und teilweise realitätsfernen Ausführungen der jungen Dichter und Denkerinnen. Ganz ohne die Nennung konkreter Daten und Orte wird Ihnen klar geworden sein, dass die Alpenträumer in den Herbstferien aus dem verregneten Ulm nach Geislingen aufbrachen, um von dort aus vier Tage dem Hauptwanderweg 1 nach Westen bis Oberlenningen zu folgen. Beim Wandel durch bunte Herbstlandschaft und wechselnde Witterung wurden die Geister angeregt immer ausgefeiltere, dramatischere Rollenspiele erfunden. Geschickt wurden diese in die Erzählung eingebettet, sodass ein Trugbild zwischen der Wirklichkeit und den Abgründen der Seele entsteht.

Behalten Sie dieses Bild im Sinn, bis die Alpenträumer Sie wieder mitnehmen zu einem weiteren literarischen Kunstwerk.


1Teile des Vorwortes wurden aus dem Kommentar der Süddeutschen Zeitung zu dem Buch „Das rote Notizbuch“ von Paul Auster übernommen.

 

 Bericht: ganze Gruppe, Olivia Schumann
 Fotos:  Olivia Schumann