Saleva Klettersteig - August 2020

 Zeitraum: 01.08.2020                                       Art: Klettersteig
 Gruppe: Steingemsen

 

Nach ein wenig Hin- und Her überlegen hinsichtlich Wetter, Ziel und Abfahrtszeit trafen wiruns zu unserer Ausfahrt am 1.8.2020 bereits um 7:30 Uhr am Seelturm. Da das Zielkurzfristig noch geändert wurde, fuhren wir entgegen dem ursprünglichen Plan, der einennicht unbedingt Anfänger-geeigneten Klettersteig der Schwierigkeit C und 900hm beinhaltethätte, nach Oberjoch, um dort am Iseler den Salewa-Klettersteig zu machen. 400hm, 1,5hKlettersteig und weniger als eine halbe Stunde Zustieg, so hieß es auf den verlinkten Seitenund klang somit durchaus machbar.Wie bereits gesagt gab es doch leichte Zweifel aufgrund des Wetters. Nicht aufgrund vonUnwettergefahr, sondern vielmehr, weil es ziemlich warm werden sollte. Wie warm estatsächlich werden sollte, ließ sich bereits am Bergfuß um kurz vor halb 10 erahnen. Abergut, der Plan war gefasst, und los ging es. Anders als es in der Online-Beschreibung, die wirim Vorfeld bekommen hatten, stand, fuhren wir nicht mit der Seilbahn bis kurz unter denEinstieg, was dann tatsächlich 20 Minuten Zustieg bedeutet hätte. Stattdessen ging es beigefühlten 50°C, daran waren auch die motivierenden Wanderreden unseresMustergruppenleiters Lukas über das Wandern in Brasilien bei eben diesen Temperaturennicht ganz unschuldig, etwa eine Stunde unter der sengenden Sonne den Isler hinauf.Schon auf dem Weg nach oben schauten wir gierig zu den Seen, die neben unserem Wegverführerisch leuchteten und Erfrischung versprachen. Daher nahmen wir uns vor, beimAbstieg eine kleine Badepause einzulegen, zur Not, indem wir durch das Vortäuschen einesHitzeschlages die Abkühlung der gesamten Gruppe legitimierten.Während wir diese verwegenen Pläne schmiedeten, Unmengen von Wasser tranken und aufdie Anfängeralpintouristen schimpften, die mit der wenig idyllischen Seilbahn ihren Zustiegverkürzten, kamen wir unserem Ziel, dem Salewa-Klettersteig, wenn auch etwas keuchendund über die ideale Ausnutzung schattiger Stellen diskutierend, stetig näher.Bereits von unten war gut sichtbar, dass wir nicht die einzigen waren, die auf die Ideegekommen waren, genau diesen Klettersteig zu machen. Eher gesagt sah man dieSchlange der Menschen, die sich im Corona-Abstand gestreift den Berg entlangschlängelte,schon während des Aufstieges gut. Wir ließen uns nicht davon beirren, denn unserMustergruppenleiter hatte einen Klettersteig auf einer Nordwestseite ausgewählt. Die Leute,die wir sahen, standen also im Schatten. Das wollten wir auch und gingen weiter.In weniger als der angegebenen Zeit erreichten wir dann doch endlich den Einstieg. DerKlettersteig war überfüllt, voll von speckigen Griffen, seltsam abgesichert und an einigenStellen von Reparaturstau (wie losen Bolzen) geplagt-mit anderen Worten, als aus demBlautal kommende Kletterer fühlten wir uns sofort wie zu Hause.Aufgrund der langen Standzeiten hatten wir im Klettersteig die Möglichkeit, mit einigenanderen Wartenden über die idealen Schattenstellen zu diskutieren und Freundschaften zuschließen, aber auch das Verhalten der anderen Klettersteiggeher zu beobachten.Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immerhin spannender als stumpf herum zu stehen.Nachdem wir den Iseler-Gipfel aufgrund des touristische Ansturms nur kurz von etwa 4munter Gipfelniveau gegrüßt hatten, stiegen wir in den nächsten Klettersteig ein, der bis aufeinen kleinen Zwischenfall auch glimpflich verlief. Nach einem kurzen Stück auf dem sehrsonnigen Kamm entlang stiegen wir auch schon wieder in einen kurzen Klettersteig etwasunterhalb am Kamm entlang ein. Dieser Klettersteig im A-Grad wechselte sich mitungesicherten Wanderpassagen ab und endete zu guter Letzt am Kühgrundkopf. Dort legtenwir eine Pause für das dritte Mittagsessen ein und cremten uns noch einmal ein. Nachkurzer Diskussion entschieden wir uns für einen Abstieg über den Panoramaweg, trugen unsins Gipfelbuch ein und machten noch ein paar Fotos. Dann machten wir uns an den Abstieg,schließlich wartete der See!Über teils rutschige, geröllige, schmale Wege, die nach nicht wirklich erkennbarem Prinzipzusätzlich abgesichert waren, ging es dann scheinbar endlos lange wieder Richtung Tal.Wieder vorbei an Kühen, kleinen Bächlein, Schmetterlingen und den Grenzstationen desSchmugglerpasses. Dann endlich, nach einem erneuten kleinen Aufstieg, erreichten wirendlich den lang ersehnten Bergsee, in dem man dann jedoch leider doch ganz legal badendurfte. Wir wären schließlich absolut bereit für eine überzeugende Hitzschlags-Imitationgewesen.Nach einem sehr erfrischenden Bad mit Molchen und Kaulquappen im See entschieden wiruns dazu, noch in der zugehörigen Alm einzukehren, was wir nicht bereuen sollten.Gut entspannt zwängten wir unsere Füße etwa 30 Minuten später wieder in die Schuhe undmachten uns an den Abstieg. Gerade noch rechtzeitig, bevor das sich schon langeanbahnende Gewitter richtig anfing, stiegen wir ins Auto und fuhren wieder in Richtung Ulm.Es war ein richtig tolle Tour mit lustigen und schönen Gesprächen - und etwas warmem Wetter.

 

 Bericht: Lena Kubitschek
 Fotos:  Lukas Keßling