Maggiatal - August 2020

 Zeitraum: 29.08 - 05.09.2020                                       Art: klettern, baden
 Gruppe: Alpenträumer

 

Aua! Hä, was ist denn hier los? Bis gerade eben lag ich noch frisch und duftend im Schrank und jetzt, einen Augenblick später, klemme ich zerknautscht zwischen einer Flasche und einem Müsliriegel in einem dunklen Sack. Kurze Zeit später merke ich, wie ich in ein Auto gewuchtet werde und auf mir weitere schwere Taschen landen. Es scheinen auch ein paar Kinder dabei zu sein. Aber um diese Uhrzeit sind sie wohl noch zu müde um Krach zu machen. Alles setzt sich in Bewegung und ich verfalle in einen tiefen Schlaf. Als der Kofferraum wieder aufgeht höre ich lautes Regengeprassel und enttäuschte Stimmen.Es ist wohl nicht alles nach Plan gelaufen.Die Autofahrt war anscheinend streckenweise okay. Huch? Warum sind wir denn schon auf dem Campingplatz? Eigentlich war doch eine dreitägige Hüttenwanderung im Verzasca Tal geplant. Das hat bestimmt auch mit dem starken Regen zu tun. Ich könnte mir vorstellen, dass so ein heftiger Regen ganze Landmassen in Bewegung setzt. Bevor sich alle in die Zelte verkriechen geht die Gruppe noch an den Fluss Maggia, der aber eher aussieht wie eine tobende Matscha. Bald kehrt Ruhe im Camp ein und der erste Tag der Woche ist schon vorbei.

Der nächste Morgen ist zwar immer noch verregnet, doch er wird von den Alpenträumern genutzt,um ihr Kletterwissen zu erweitern. Na endlich, um die Mittagszeit hört der Regen auf und die Gruppe packt flink ein paar Sachen zusammen und startet zu einer Wanderung. Mich lassen sie leider im Zelt zurück, zum Baden ist es wohl noch zu kalt. Dabei hätte ich doch so gerne die tobenden Wasserfälle, die schönen Steinhütten und die tolle Aussicht mitbekommen. Bis sie zurückkommen ist es schon dunkel aber alle scheinen zufrieden und glücklich zu sein sich bewegt zu haben.

Nach einer erholsamen Nacht und einem stärkenden Frühstück ziehen sich alle ihre Klettersachen an und gehen angeseilt zwischen den Bäumen umher. Sind die blöde? Achso, es ist nur eine Trockenübung fürs Mehrseillängen Klettern. Nachmittags geht’s dann aber richtig zur Sache: 4-Seillängentouren über flache Platten bei Ponte Brolla. Abends werde ich dann endlich aus meinem Sack geholt und an die wieder klare und nun sanft fließende Maggia getragen. Wollen die verrückten jetzt tatsächlich schwimmen gehen? Plitsch. Platsch. Anscheinend schon. Ein Mädchen kommt auf mich zu und trocknet sich an mir ab. Boah, ist das kalt! Die Nacht verbringe ich auf der Wäscheleine. Brrrrr! Durch noch mehr Regen werde ich gar nicht trocken.

Trotzdem werde ich am nächsten Morgen direkt in einen Rucksack mit Klettersachen gestopft. Nach kurzer Autofahrt darf ich auf einen Zweig gehängt beobachten wie sich die Alpenträumer eine Sportkletterroute nach der anderen hochkämpfen. Während mir in der Sonne immer heißer wird, isst die Gruppe genüsslich ihr Vesper. Am Boden üben sie noch das Umbinden, dann klettern sie noch den ganzen Nachmittag weiter. Ein paar ist es wohl noch nicht steil genug und ich sehe, wie sie zu einem anderen Sektor laufen. Nach einer Weile höre ich einen lauten, emotionalen Schrei:“Neeeeeein!“. Da hat wohl einer am Griff vorbei gegriffen. Als sie endlich fertig sind, werde ich wieder in den Rucksack gesteckt und kurz darauf am Lago Maggiore wieder ausgepackt. Die Alpenträumer schaffen es anscheinend nur baden zu gehen, wenn es abends schon wieder kalt ist. Als ich nachts im Camp wieder im Regen an der Wäscheleine hänge, höre ich sie noch Werwolf spielen.

Am nächsten Tag am Felsen angekommen, weiß ich nicht, was nasser ist, die Wand oder ich. Die Gruppe entscheidet sich für einen anderen Fels, um nochmals die Mehrseillängen-Technikzu verfeinern. Was höre ich, sie abends noch reden? Sie wollen am nächsten Morgen um 02:30 Uhr aufstehen? Aus dem Ziel, bei Sonnenaufgang auf einem Gipfel zu frühstücken, ergab sich wohl diese Tourenplanung, welche abends noch detailliert aufgeschrieben wurde.

Als sich die Gruppe am nächsten Morgen vom Campingplatz schleicht,kann ich zum Glück noch auf meiner Wäscheleine weiterschlafen. Der Gipfel und der Sonnenaufgang müssen wohl wunderschön gewesen sein, denn alle kommen müde, aber gut gelaunt wieder im Camp an. Da muss sich das frühe Aufstehen wohl gelohnt haben. Eigentlich sehne ich mich langsam mal nach einer Wäsche, aber ich werde schon wieder zu den stinkenden Kletterschuhen in den Rucksack gestopft. Heute sind die Felsen aber sehr klein und statt einem Seil verwenden sie Crashpads. Diese Sportart scheint bouldern zu heißen. Aber während ein paar an den Felsbrocken schwitzten liegt der Rest nur faul in den Hängematten. Alses dannabends wieder kalt und ungemütlich wird wollen die verrückten, wie könnte es anders sein, wieder in die Maggia springen. Na toll, jetzt bin ich wieder nass.

Am nächsten Morgen werde ich fast als Yogamatte missbraucht, doch da alle mitmachen, muss eine große Plane herhalten. Während heute nochmal ordentlich geklettert wird, bleibe ich den ganzen Tag und auch die folgende Nacht im stickigen Rucksack.

Igitt! Die Klamotten, welche am Morgen des letzten Tages zu mir in den Rucksack gestopft werden, sind ziemlich verraucht. Sie scheinen abends noch ein schönes Lagerfeuer germacht zu haben. Ein letztes Mal wird noch in der Maggia gebadet und von den Felsen gesprungen, bevor wir die Heimreise antreten. Wow, was man in einer Woche alles erleben und lernen kann! Jetzt habe ich mir aber eine warme Waschmaschine verdient.

 

 Bericht: ganze Gruppe
 Fotos:  Regina Heudorfer, Moritz Quincke, Benjamin Ehlers