Survival - Oktober 2019

 Zeitraum: 26-27.10.2019                                               Art: Survival
 Gruppe: Steingemsen

 

An diesem Wochenende stand seit längerem Mal wieder ein Survival auf dem Plan, zum wiederholten Mal organisiert vom jdav-Survivalexperten Simon Gungl. Danke dafür. Er kommt immer wieder auf neue Ideen und schafft es auch, diese perfekt umzusetzen. Dieses Mal verfolgten wir die Bismarck, ein deutsches Kriegsschiff während des zweiten Weltkrieges.
Bereits am Seelturm standen wir vor der ersten Aufgabe, der Entschlüsselung eines Funkspruchs. Unser GPS-Gerät führte uns nach gelöstem Handhabungsproblem zur Wilhelmsburg. Von dort ging es über die Uni bis zu einem Punkt oberhalb von Mähringen. Dort zeigte uns das Gerät eine Luftlinienentfernung von 7 Kilometer an. Um nicht 7 Kilometer in die falsche Richtung zu laufen, kontrollierten wir nochmal, ob wir alles richtig gemacht hatten. Wir hatten alles richtig gemacht. Nach vorgezogener Mittagspause stiefelten wir los. Erst einmal bergab ins Schammental und direkt wieder aufwärts auf die Albhochfläche. Nach und nach lernten wir die Bismarck und ihre Verfolger (einige Schiffe der britischen Royal Navy) kennen. Jetzt hieß es Meter machen, mal auf befestigten Wegen, mal weit entfernt von diesen im Unterholz. Manche von uns hielten es noch für möglich die vorgegebene Strecke, die laut Simon „irgendwas um 50 Kilometer“ hätte, an einem Tag durchzulaufen… noch….Endlich fanden wir uns zwischen mehreren Windrädern wieder. Wir stellten fest, dass die Energiewende ziemlich laut sein kann. Ganz ergriffen vom Propellergeräusch der zahlreichen Modellflugzeuge, die auf dem nahegelegenen Flugplatz starteten und landeten, stimmten wir, thematisch passend, „Über den Wolken“ an. Es erwies sich zum ersten Mal, dass an alleinstehenden oder besonderen Bäumen oft Hinweise versteckt liegen.
Die nächsten Wegpunkte führten uns an Bermaringen vorbei, hinab ins kleine Lautertal und wieder auf die Hochfläche. Auf diesem Wegabschnitt begann es bereits zu dämmern. Dies führte zu einer wunderschönen Atmosphäre, der goldene Herbst zeigte sich von seiner besten Seite. Für zusätzlichen Flair sorgte der nächste Wegpunkt an einem einsamen Baum mitten auf dem Feld. Bereits etwas erschöpft von der langen Strecke und den schweren Rucksäcken, deren Gewicht durch den eingesammelten Müll auf der Strecke zugenommen hatte, spielten wir mit dem Gedanken, dort die Nacht zu verbringen. Doch getrieben vom Ansporn, die Strecke heute noch fertig zu laufen und im Seelturm zu schlafen, entschlossen wir uns weiter zu ziehen. Die Spuren der Bismarck führten uns ins Blautal. Nein, nicht zum Kletterfelsen Bismarck… :). Stattdessen zur Küssenden Sau. Als wir dort ankamen, war es bereits stockfinster. Aufgrund der Müdigkeit, die sich vielleicht auch durch die Dunkelheit, hauptsächlich aber durch bereits 35 Kilometer, die hinter uns lagen, bemerkbar machte, entschieden wir uns, auf einer Wiese oberhalb des Felsenlabyrinth unser Nachtlager aufzuschlagen. Nach heruntergeschlungenem Abendessen und einer Gute-Nacht-Geschichte unter den Sternen, schliefen wir schnell ein.
Da der nächtliche Dunst ein Großteil unseres Equipments nass machte, ließen wir uns am Sonntagmorgen sehr viel Zeit. Der zuletzt gefundene Hinweis führte uns hinunter ins Tal und bis hoch zum Hochsträß. Es wurde klar, dass wir die Strecke nicht an einem Tag geschafft hätten. Bei Beiningen brauchten wir erneut eine vorgezogene Mittagspause. Trotz der Strapazen liefen wir weiter, vorbei am bescheidenen Dörfchen Erstetten, dessen Streuobstbäume am Wegesrand wir zu schätzen wussten. Der letzte Hinweis war eine Multiple-Choice-Frage, die uns zum projizierten Ort führte, an dem unsere Tour endete und die Bismarck sank. Nach einigen Fehlversuchen, machte sich Erleichterung breit, als wir aus der Brausetablettenverpackung mehr zogen als nur ein Zettel auf dem stand, dass wir falsch waren. Das Ziel war im Wald in der Nähe des Grillplatzes Salenhau. Wir hatten die Bismarck in unseren Maßstäben sehr genau 50 km (49,2) auf ihrer spannenden Reise verfolgt, und dabei viel über die Seegefechte des zweiten Weltkriegs gelernt. Vielen Dank Simon!
Die Tour hat mir persönlich mal wieder gezeigt, dass man schöne Landschaften und wilde Abenteuer auch vor der Haustür erleben kann! Die einzige Voraussetzung ist, sich darauf ein zulassen. Wenn man das im Hinterkopf behält, kommt einem ein karger Hügel auf der Alb vor, wie ein Ort in der skandinavischen Tundra. In den frau-/mannshohen Felsenbrocken am Albtrauf sieht man unbegangene Kletter-/Boulderrouten. Man erlebt die Umgebung bewusster und besonderer. Eindrucksvoll war für mich auch der fließende Übergang zwischen der uns bekannten Zivilisation und der vielleicht doch nicht so wilden Wildnis. Der Müll den wir fanden und mitnahmen erinnerte uns daran, dass wir es nicht weit hatten, zu den nächsten Menschen.
Für mich ist klar, sollte es nächstes Jahr wieder einen Survival geben, bin ich auf jeden Fall dabei.

 Bericht: Timo Bachhuber & Sina Kindermann Fotos:  Sina Kindermann