Der Seelturm steht auf dem Zundeltor inmitten der idyllischen Grabenhäuschen südlich vom Berliner Platz. Er wurde im 14. Jahrhundert erbaut und war ein wichtiger Bestandteil der alten Ulmer Befestigungsanlage. Der 20 Meter hohe Turm, der nach hinten offen war, trägt ein Walmdach und war schon immer ein beliebtes Motiv von Malern und Fotografen, so gibt es wohl kaum einen Ulmer Kalender, indem der Seelturm nicht abgebildet ist.

Der Name stammt vom Seelengraben ab, ausgehend von dem damaligen Seelhaus in der Griesbadgasse, indem sich Ordensschwestern um die „armen Seelen“, Kranke und Bedürftige kümmerten. Um 1638 wurde dann der Wehrturm vom berühmten Ulmer Städtebauer Joseph Furttenbach zu einem Wasserturm umgebaut. Dazu musste die zur Stadt zugekehrte Seite verschlossen werden, die Fuge ist heute noch deutlich sichtbar. Zu dieser Zeit floß die Blau außerhalb der Stadtmauer – in der heutigen Heimstraße – ins Brunnenhäusle. Noch heute ist der Eingang in dieses klar zu erkennen, es befindet sich im Torbogen des Zundeltores. Ein kräftiges Pumpwerk, das durch die Blau angetrieben wurde, pumpte das Wasser 15 Meter hoch in den Wasserbehälter, der aus massivem Eichenholz und mit Kupfer ausgeschlagen war, hinauf. Der Seelturm war viele Jahre lang einer von fünf Wassertürmen in Ulm, die in Zeiten der Belagerungen die Stadt mit Wasser versorgten. 1874 wurde dann eine andere Wasserversorgung in Ulm tätig und der Seelturm versorgte lediglich noch den Schlachthof mit Wasser. Einige Jahre später wurde der Wasserbehälter entfernt und zwei Stockwerke in den Turm gezogen.

(Text aus dem „Ulmer Tagblatt“ vom 26.10.1940)

   

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