Ulm. Am kommenden Wochenende wird in Neu-Ulm die neue Kletterhalle eingeweiht. Die Begleitmusik kommt von der eigenen Jugend, die aus Verärgerung über den Vorstand ihre Mitarbeit aufgekündigt hat.
Die Einweihung der neuen Kletterhalle auf dem ehemaligen Nelson-Gelände in Neu-Ulm wirft ihre Schatten voraus. Am Donnerstag dieser Woche unterzeichnen alle drei Sektionen (Ulm, Neu-Ulm und SSV Ulm 1846) eine Nutzungsvereinbarung für ihre Mitglieder, und am Wochenende steht der große Festakt an, zu dem mit Reinhold Messner einer der namhaftesten Bergsteiger überhaupt gewonnen werden konnte.
Doch der schöne Schein trügt ein wenig. Hinter den Kulissen rebelliert die Jugend, die für sich keinen Platz in dem neuen Sparkassen-Dome sieht und sich vom Vorstand der Neu-Ulmer Sektion instrumentalisiert sieht. Seit 2002 betreiben alle drei Sektionen mit insgesamt rund 12 000 Mitgliedern eine gemeinsame Jugendarbeit. Doch jetzt haben sämtliche 14 stimmberechtigten Jugendleiter aller drei Sektionen die Zusammenarbeit mit dem DAV Neu-Ulm aufgekündigt. Erstmal zwar nur für sechs Monate, die Gräben aber scheinen tief zu sein.
Dieter Danks von der Neu-Ulmer Sektion will das erstmal nicht kommentieren und auch nicht auf die einzelnen Vorwürfe eingehen. Er habe mit der bevorstehenden Eröffnung der Kletterhalle ganz andere Baustellen zu bewältigen und könne sich derzeit nicht damit befassen. Dass ihm die Ankündigung der Jugend nicht gefällt, ist freilich deutlich zu hören, Danks findet vor allem den Zeitpunkt falsch. "Wir nehmen das Schreiben ernst, und werden uns auf der Vorstandssitzung am 12. Dezember damit befassen", sagt Danks.
Die Jugendleiter scheinen den Zeitpunkt aber ganz bewusst gewählt zu haben. Zu oft schon seien sie hingehalten und vertröstet worden, heißt es in einem Schreiben, das der SÜDWEST PRESSE vorliegt. "Nach vielen Jahren müssen wir mit Bedauern feststellen, dass die Idee einer gemeinsamen, die Sektionen übergreifenden Jugendarbeit durch einen seit Jahren andauernden Streit bezüglich der Kletterhalle in Neu-Ulm zerbrochen ist", heißt es in dem Schreiben. Der Konflikt schwelt offenbar schon lange, bereits vor einem Jahr haben sich die Jugendleiter angeboten, an der Konzeption mitzuarbeiten. Ein Angebot, das nach Aussage der Jugend nie angenommen wurde. Offenbar ist das Tischtuch so gründlich zerschnitten, dass "momentan keine sachliche Diskussion möglich ist" und eines professionell moderierten Vorgangs bedarf.
Ein Knackpunkt ist die Hallenbelegung für die Jugendabteilung. Nach Darstellung deren Leiter gebe es dazu bis heute keine Regelung, obwohl die Halle am Wochenende eröffnet werde. Zwar habe der Sektionsvorstand den Bedarf der sechs Jugendgruppen mit knapp 80 Mitgliedern erfragt. Das vorgelegte Angebot für Kletterzeiten liege aber komplett außerhalb der Zeiten, zu denen die Jugend trainieren kann.
Wie ein Sprecher mitteilt, können sowohl die Leiter wie die Jugendlichen selbst wegen Beruf oder Schule erst ab 17 Uhr in die Halle. Da beginnt aber auch die Kernzeit, weshalb der DAV-Vorstand der Jugend nur die Zeit bis 17 Uhr ermäßigte Eintrittspreise zugestehen will, weil ansonsten zahlende Kunden verdrängt würden. Dies zeige nach Einschätzung der Jugendleiter den geringen Stellenwert auf.
In sechs Monaten wollen sie die Lage neu bewerten. Bis dahin wird es keine offizielle Zusammenarbeit mit dem DAV Neu-Ulm geben.
Quelle: www.swp.de